Nazi-Bürgermeister soll nicht mehr Schulpate sein

Hans Herrmann um 1949. Foto: Staatliche Bibliotheken/ Stadt Regensburg
Nur fünf Schulen in Bayern betroffen
Dies ist, angesichts der Kriterien, die vom Ministerium angelegt wurden, bemerkenswert. Gab es doch zunächst – auf Veranlassung des Ministeriums – eine Vorauswahl durch die Bezirksregierungen. Diese wurde anschließend im Hinblick auf mehrere einschränkende Kriterien erneut reduziert. So heißt es unter anderem in dem Bericht:„Nähere Prüfungen führen – zumindest im Einzelfall – auch zu dem Befund, dass es Namensgeber gibt, bei denen zwar jedenfalls eine intensive Zuarbeit für das NS-Regime gegeben war, ersichtlich auch mit entsprechenden Auszeichnungen honoriert, bestimmte Ereignisse aber zu einem Gesamtbild führen, das die Fortführung des Namens legitimiert erscheinen lässt.“Und während die Regensburger Stadtspitze Hans Herrmann in der Vergangenheit stets in Schutz genommen hatte, bleibt Herrmann einer der Namenspatrone, bei denen das Kultusministerium den betroffenen Schulen und Kommunen rät, „in einen intensiven Meinungsbildungsprozess darüber einzutreten, ob angesichts der so gegebenen Lage nicht eine Aufgabe des jeweiligen Namensgebers angezeigt ist“.
Bürgermeister für jedes System
Unser Autor Robert Werner hat sich bereits vor geraumer Zeit intensiv mit der Karriere von Hans Herrmann, dem „Bürgermeister für jedes System“, beschäftigt. Als Mitglied der Bayerischen Volkspartei war er bereits zur Zeit der Weimarer Republik Bürgermeister in Regensburg, nach der Machtübernahme der Nazis konnte er diese Karriere ungebrochen fortsetzen. Bereits 1935 wurde er Mitglied der NSDAP, später auch Förderer der SS. Insbesondere die „Arisierung“ jüdischen Eigentums lag in Herrmanns Zuständigkeit. Zu seinen Aufgaben gehörte es etwa, den Zwangsverkaufs des Grundstücks der im November 1938 in Brand gesteckten Synagoge abzuwickeln. Laut Helmut Halters Standardwerk, „Regensburg unterm Hakenkreuz“ (1994) nützte Herrmann als „abgebrühter Grundstückshändler“ dabei die Notlage des jüdischen Gemeindevorstands aus und drückte deren Preisvorstellungen. Kurze Zeit nach dem ‚erfolgreichen‘ Erwerb verkaufte Herrmann das Grundstück mit Gewinn an die Regensburger Volksbank weiter.Entnazifiziert durch Fürsprache der Kirche
Darüber hinaus war darüber hinaus verantwortlich für die Auffang- und Notlager von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, in denen katastrophale Zustände herrschten. Seine Entnazifizierung konnte Herrmann erst im zweiten Anlauf unter Fürsprache der katholischen Kirche durchsetzen. Er war Gründungsmitglied der Regensburger CSU und wurde schließlich zum Oberbürgermeister gewählt. Seinen Einfluss nutzte Herrmann, um Altnazis unterstützend zur Seite zu stehen. Unter anderem setze er die Pension für NS-Oberbürgermeister Otto Schottenheim durch.Schaidinger: Herrmann hat „große Verdienste um die Stadt“
Zuletzt bei der Diskussion um die Ehrenbürgerschaft von Adolf Hitler hatten Oberbürgermeister Hans Schaidinger und die CSU die Ehrenbürgerschaft Herrmanns verteidigt. Dieser habe „sich während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister und Landtagsabgeordneter in den 1950er-Jahren große Verdienste um die Stadt erworben und sich außerdem ausdrücklich vom Nazi-Regime distanziert“. Diese Sichtweise zieht der Bericht des Ministeriums ausdrücklich in Zweifel. Sind darin doch glaubwürdige Distanzierung und anschließende Verdienste als Kriterien genannt, die die mögliche Fortführung eines Schulnamens rechtfertigen könnten:„Berücksichtigt werden sollte, wenn der Namensgeber sich durch ein wirtschaftliches oder kulturelles Engagement über einen längeren Zeitraum auszeichnete, insbesondere in der Wiederaufbauzeit der 1950er und 1960er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland. Besonders positiv sollte wiegen, wenn er nach 1945/49 ersichtlich selbstkritisch über seine Verstrickungen und Engagements in der Zeit von 1933 bis 1945 sowie ggf. auch bereits zuvor (Parteinahmen für die NSDAP bzw. ihr ideologisches Gedankengut) reflektierte.“Zu Herrmann, dessen derartiges Engegement vom Ministerium offenbar als nicht ausreichend angesehen wird, selbst heißt es unter anderem:
„Das zentrale, in Fällen dieser Provenienz vielfach in Anspruch genommene Argument, es sei darum gegangen, Schlimmeres zu verhindern, wird im Blick auf eine so hohe Funktion im Kontext des NS-Regimes, hier insbesondere auch auf die Rolle bei der ‘Arisierung’ von jüdischem Eigentum, brüchig.“Die Fraktion der Landtagsgrünen, die den Bericht mit ihrem Antrag auf den Weg gebracht hatte, fordert nun, dass eine Umbenennung der betroffenen Schulen möglichst bis zu Beginn des neuen Schuljahrs erreicht werden solle.