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Kandidatin distanziert sich von Fraktionschef

ödp streitet über Hans Herrmann

Der Fraktionschef der ödp hat sich letzte Woche für Nazi-Bürgermeister Hans Herrmann in die Bresche geworfen. Bezirkstagskandidatin Claudia Spiegl hat sich von der Haltung ihres Parteifreunds öffentlich distanziert.
Das Grab von Hans Herrmann auf dem oberen katholischen Friedhof. Dr. Dünninger will für den Fall der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft die Grabpfelege übernehmen. Foto: Archiv/ Werner

Das Grab von Hans Herrmann auf dem oberen katholischen Friedhof. Dr. Dünninger will für den Fall der Aberkennung der Ehrenbürgerschaft die Grabpfelege übernehmen. Foto: Archiv/ Werner

Soll NS-Bürgermeister Hans Herrmann weiterhin als Namensgeber für eine Schule fungieren? Bei der Regensburger ödp ist über diese Frage ein offener Streit entbrannt. Wie berichtet, hat das bayerische Kultusministerium empfohlen, die nach dem BVP-NSDAP-CSU-Politiker benannte Regensburger Grund- und Mittelschule umzubenennen. Insgesamt hat das Ministerium bayernweit drei Namensgeber von insgesamt fünf Schulen als fragwürdig eingestuft.

Schule, Park und Ehrenbürgerschaft

Auf Antrag der Grünen wollen sich nun die Fraktionschefs der im Stadtrat vertretenen Parteien bei ihrer nächsten Sitzung im September mit Hans Herrmann beschäftigen. Wie die Mittelbayerische Zeitung am Wochenende berichtete, will Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Fraktionen dafür im Vorfeld „alle greifbaren Unterlagen“ zur Verfügung stellen. Dann wird der Stadtrat früher oder später auch darüber entscheiden, wie er mit der Ehrenbürgerschaft von Hans Herrmann und dem nach ihm benannten Park umgehen wird.
Kritisiert das Kultusministerium: Eberhard Dünninger. Foto: Archiv/ as

Kritisiert das Kultusministerium: Eberhard Dünninger. Foto: Archiv/ as

Während die CSU, die sich in der Vergangenheit mehrfach für den anpassungsfähigen Politiker in die Bresche geworfen hatte, sich derzeit mit Verteidigungsreden höflich zurück hält, die SPD sich klar für eine Umbenennung von Park und Schule ausgesprochen hat und die Grünen Hans Herrmann trotz eventueller Verdienste um die Stadt nach dem zweiten Weltkrieg zumindest problematisch als Schulpate sehen, hat sich ödp-Fraktionschef Dr. Eberhard Dünninger als wahrer Hans-Herrmann-Fan geoutet.

Dünninger empört über Kultusministerium

Kultusminister Ludwig Spänle hat Dünninger nach eigenem Bekunden einen empörten Brief ob der Einschätzung seines Ministeriums zu Hans Herrmann geschrieben. Sollte die Stadt Regensburg dem ehemaligen NS-Bürgermeister die Ehrenbürgerwürde aberkennen, werde er, Dünninger, die Pflege von Herrmanns Grab übernehmen, hat er im Stadtrat angekündigt. Für Claudia Spiegl, Listenkandidatin für den Bezirkstag und Fraktionsgeschäftsführerin Fraktionsassistentin der ödp sind diese Äußerungen ihres Fraktionschefs völlig indiskutabel. Auf ihrem öffentlichen Facebook-Profil schreibt Spiegl:
„Die Namensgebung Hans-Herrmann-Schule bzw. Hans-Herrmann-Park sind für mich nach Kenntnis des Lebenslaufs von OB Hans Herrmann a. D. untragbar. Ich distanziere mich hiermit von den Äußerungen und Absichten des ÖDP-Franktionsvorsitzenden Dr. Dünninger und schäme mich dafür.“
Erstaunlich: Als Regensburg in den 90ern bundesweit Schlagzeilen machte, weil sich die CSU jahrelang gegen eine Umbenennung der Florian-Seidl-Straße sperrte – der Nazi-Dichter Seidl hatte sich dezidiert für die Ermordung von Behinderten ausgesprochen – gehörte Dünninger zu den schärfsten Kritikern dieser Haltung. Warum er sich nun für Herrmann in die Bresche wirft, der maßgeblich für die Arisierung von jüdischem Eigentum zuständig war, bereits 1936 Fördermitglied der SS wurde, bleibt das Geheimnis des ödp-Fraktionschefs.
Hans Herrmann um 1949. Foto: Staatliche Bibliotheken/ Stadt Regensburg

Hans Herrmann um 1949. Foto: Staatliche Bibliotheken/ Stadt Regensburg

Herrmann: Fördermitglied der SS

Über Hans Herrmann schreibt das Kultusministerium in seiner Untersuchung:
„Hans Herrmann, geb. 1899, machte in den 1920er Jahren Karriere in der Bayerischen Volkspartei, wurde 1925 zweiter rechtskundiger Bürgermeister in Regensburg, behielt diese Funktion auch während der Zeit der NS-Diktatur bei, nach 1945 war er in der CSU tätig, Mitglied des Bayerischen Landtags von 1954 bis 1958, Oberbürgermeister von Regensburg von 1952 bis 1959. Für ihn spricht die Beteiligung am demokratischen Wiederaufbau nach 1945 an exponierter Stelle. Gegen ihn spricht die Kontinuität in seiner amtlichen Tätigkeit ab 1933, darunter 1935 Beitritt in die NSDAP, ab 1936 als förderndes Mitglied in der SS. Bei der Entnazifizierung ursprünglich als ‘belastet’ eingestuft, konnte er schließlich die Einstufung als ‘Mitläufer’ erreichen. Das zentrale, in Fällen dieser Provenienz vielfach in Anspruch genommene Argument, es sei darum gegangen, Schlimmeres zu verhindern, wird im Blick auf eine so hohe Funktion im Kontext des NS-Regimes, hier insbesondere auch auf die Rolle bei der „Arisierung“ von jüdischem Eigentum, brüchig.“
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