„Da ist nichts mehr zu schützen.“ Regensburgs Umweltausschuss stimmt für neue Tennisplätze am Weinweg
Mit breiter Mehrheit stimmt der Umweltausschuss für den Bau dreier Tennisplätze im Landschaftsschutzgebiet am Weinweg. Umweltbürgermeister Artinger dementiert, dass das Verhältnis zwischen ihm und dem Umweltamt zerrüttet sei.

Auf dieser Fläche werden die drei Tennisplätze entstehen. Foto: as
Stadtrat Christian Janele (CSB) schwankt zwischen Anerkennung und einer Prise Süffisanz. „Wir erleben Sie nicht jeden Tag so engagiert“, bemerkt er zu Ludwig Artinger (Freie Wähler). „So voller Inbrunst.“ Und tatsächlich, man spürt förmlich, wie sehr dem Regensburger Umweltbürgermeister die Ausnahmegenehmigung für drei neue Tennisplätze im Landschaftsschutzgebiet am Weinweg am Herzen liegt.
Es geht ihm nicht nur um das Vorhaben selbst, sondern auch um dessen Entstehungsgeschichte. Wie berichtet, soll es im Umweltamt heftig gekracht haben, als das Thema dort zur Sprache kam. Nicht nur Artinger geriet mit der ihm unterstellten Fachbehörde aneinander, sondern auch Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU).
Artinger und das Umweltamt: „sehr engagierte Diskussionen“
Zum Nachhören
Doch dass das Verhältnis zwischen ihm und dem Umweltamt zerrüttet sei, sei „Legendenbildung“, betont Artinger. Man führe dort lediglich „sehr engagierte Diskussionen zum gegenseitigen Erkenntnisgewinn“. Und „selbstverständlich“ sei die am Mittwoch im Umweltausschuss diskutierte Vorlage auch vom Umweltamt verfasst worden.
Im Zentrum der Diskussion steht: Seit spätestens 2019 sucht der 800 Mitglieder starke Regensburger Tennis-Klub (RTK) nach einem Standort für neue Tennisplätze. Diese Suche verlief jedoch lange erfolglos. Am Ende blieb, glaubt man der Vorlage, nur die Grünflächen gegenüber der Bischof-Manfred-Müller-Schule.
Diese befinden sich jedoch im Landschaftsschutzgebiet und gelten als „bedeutsame Kaltluftproduktionsflächen“. So steht es in der, wie berichtet, widersprüchlichen Beschlussvorlage für den Umweltausschuss und in der aktuellen Stadtklimaanalyse vom Dezember 2024.
Umweltbürgermeister: Landschaftsschutzgebiet mit „Geburtsfehler“
Artinger spricht hingegen von einem grundsätzlichen „Geburtsfehler“ der Flächen entlang des Weinweges. Diese hätten schon längst aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden müssen, so der Umweltbürgermeister.
Ob nun die Gaststätte Dunnerkeil, der Campingplatz, die Flüchtlingsunterkunft, die Sportanlage am Weinweg oder die Kleingartenanlage – all das sei komplett überbaut. Und das sei geschehen, weil das Areal dort „nicht diese Wertigkeit und Bedeutung hat“, so Artinger. „Da hat man nie was gehört von einem Frischluftschneisengutachten.“
So sehen die aktuellen Pläne für die Fläche aus. Planzeichnung: Stadt Regensburg
Lediglich 3.000 bis 4.000 Quadratmeter, von denen etwa 2.500 für die Tennisplätze versiegelt werden würden, seien noch unbebaut. „Und ein Tennisplatz am Boden kann schlecht eine Kaltluftschneise unterbrechen.“ Das sage einem „schon der gesunde Menschenverstand“.
ÖDP dafür, Grüne dagegen
Ludwig Artinger führt das Tenniscamp für Kinder an, das der RTK jedes Jahr veranstaltet, und den starken Spieldruck, der bei dem Verein herrsche – 123 Mitglieder pro Platz, während die SG Post/Süd mit ihren 250 Mitgliedern über zehn Plätze verfüge. Außerdem habe der Verein auch jahrelang gesucht. Und wenn jetzt jemand kritisiere, dass der RTK selbst die Alternativenprüfung vorgenommen habe, „dann hat der von Verwaltungsrecht keine Ahnung“. So laufe das auch bei jedem anderen Bauvorhaben.
„Engagiert und voller Inbrunst“: Bürgermeister Ludwig Artinger. Foto: Archiv/om
Die Mehrheit im Umweltausschuss befürwortet das Vorhaben, wenn auch mit unterschiedlicher Inbrunst. Das sei zwar keine einfache Entscheidung, sagt Astrid Lamby (ÖDP). Aber wenn man sehe, was für gute Breitensportarbeit der RTK leiste, insbesondere im Jugendbereich und in Sachen Inklusion, dann überwiege auch für sie das öffentliche Interesse an den neuen Plätzen.
CSU-Chef Michael Lehner freut sich, dass die Angelegenheit nun endlich zu einem „glücklichen Ende“ gebracht werde. Da habe sicher auch die Stellungnahme von Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein geholfen. Und Hans Holler (SPD) hält die Tennisplätze an dieser Stelle ebenfalls für „vertretbar“. Auch aktuell befinde sich die Fläche in einem schlechten ökologischen Zustand.
Kritik von Friedl: Vorlage „zu mager“ und „unambitioniert“
Joachim Wolbergs (Brücke) spricht von der „einzig gangbaren und vernünftigen Lösung“. Dort sei „nichts mehr zu schützen“. Und selbst wenn es so gewesen sein sollte, dass Freudenstein und Artinger sich gegen die fachliche Meinung des Umweltamts durchgesetzt haben sollten, „wäre das absolut zulässig“, so Wolbergs. Das sei die Aufgabe von Referenten und auch des Stadtrats. „Ansonsten wären wir überflüssig.“
Ablehnende Stimmen gibt es lediglich von Jakob Friedl (Ribisl) und den Grünen. Friedl bezeichnet die Vorlage als „zu mager“ und „unambitioniert“. Er vermisst flankierende Pläne für Ausgleichsflächen oder die Entsiegelung von Flächen in unmittelbarer Umgebung.
Grünen-Fraktionschefin Maria Simon will Artingers Argumentation nicht folgen, derzufolge dort versiegelt werden könne, weil alles andere ohnehin schon bebaut sei. In der Güterabwägung würden sich die Grünen für die Kaltluftschneise und gegen die Tennisplätze entscheiden. Doch die breite Mehrheit im Ausschuss stimmt am Ende dem Vorhaben zu. Die Tennisplätze können kommen.
Trackback von deiner Website.
michinga
| #
RTK hat “123 Mitglieder pro Platz, während die SG Post/Süd mit ihren 250 Mitgliedern über zehn Plätze verfüge. ”
äh, vielleicht einfach bei ‘Spieldruck’ den Verein wechseln?
und dass sich der gute Wolli gern über Regularien hinwegsetzt wissen wir ja. Hat ab und an nicht so gut für ihn funktioniert…
Alfons
| #
Ohmei, da feids weid!
Die Aufgabe von Referenten ist mit den zuständigen Fachämtern Politik für die Zukunft der Stadt und keine Klientelpolitik für 0,5 % der Bevölkerung zu verantworten. Und die Argumentation das Bebauung am Boden laut gesundem Menschenverstand keine Kaltluftschneise unterbrechen kann, ist an … nicht zu unterbieten. Die Frage wäre, ob sich Tennisplätze tagsüber aufheizen und diese Wärme nachts abgeben und schon hätte man je nach Geschwindigkeit der Kaltluft eine Barriere für die Bewegung der selben, sagt mein gesunder Menschenverstand. Sollte dieses selbstgefällige, unverfroren anmutende Verhalten der verantwortlichen Politiker den Tatsachen entsprechen und einiges weißt darauf hin, kann einem nur noch speiübel werden.
Daniela
| #
Landschaftsschutzgebiet mit “Geburtsfehler “????
Von nur 3000 bis 4000 qm werden ja nur 2500 versiegelt???
Fehler wegen Landschaftsschutzgebiet schon früher????
…’Ob nun die Gaststätte Dunnerkeil, der Campingplatz, die Flüchtlingsunterkunft, die Sportanlage am Weinweg oder die Kleingartenanlage – all das sei komplett überbaut. Und das sei geschehen, weil das Areal dort „nicht diese Wertigkeit und Bedeutung hat“, so Artinger’… Bauen wir halt weiter zu???? Versiegelung der letzten paar qm?????
Ich sag nur eins:
Amsel, Drossel, Fink und Star kommen nicht wieder, auch nicht die kommenden Jahr, gibt ja gar kein Blümchen mehr und Insekten fandens schwer. Kann kein Grün mehr finden. Weiß blau flimmert in der Hitze nun der Boden, warum nicht gleich alles roden?
Martin Frank
| #
dieses Gelände wird doch mimentan als Parkplatz von der Schule missbraucht.Ist das besser wie ein paar Tennispätze.
Gruss Marrin
Daniela
| #
@Martin Frank
2. April 2025 um 20:31 | #
Richtig!
‘dieses Gelände wird doch mimentan als Parkplatz von der Schule missbraucht. …’
Betonung liegt auf MISSBRAUCHT.
Hindemit
| #
@MF
Nein, das ist nicht besser. Besser wäre es, keine
Tennisplätze auf die Wiese zu bauen UND das illegale
Parken parallel zu unterbinden.
Karl Straube
| #
geschätzter herr aigner, ein guter teil der beiträge könnte unterbleiben, wenn rd ein satelitenbild veröffentlichen würde, das das gefilde mit weinweg im süden und donau im norden zeigt. beim richtigen massstab sähe man dann weis auf grün die markierungen der zahlreichen spielflächen, die im umgriff liegen und wüsste nach einer solchen betrachtung auch, dass ein ausgewiesener, befestigter und daher offensichtlich auch genehmigter parkplatz am rande der wiese liegt. die mit den tennisplätzen nichts zu tun habende diskussion um einen von der bischof-manfred-müller-schule “missbrauchten” parkplatz nimmt surreale züge an: was sollen die verknüpfungen? sollen wir gegen die tennisplätze sein, weil in der gegend doch schon eine schule parkplätze missbraucht?
Burgweintinger
| #
Wow! Ein echter Rilke!
Daniela
| #
@Karl Straube
3. April 2025 um 04:14 | #
Mittlerweile ist, denke ich jedem klar, dass Ihre Ambitionen andere bei diesem Thema zu korrigieren, Ihrer mutmaßlichen Affinität zum Tennis zu zu sprechen ist. Sei es drum, Sie dürfen Ihre Meinung genauso darlegen, wie alle hier im Forum und keiner greift Sie deswegen wegen Ihrer ‘intellektuellen Redlichkeit’ an.
Regensburg ist zu 54% in der Fläche versiegelt und schneidet bezüglich der Hitzebelastungen in Städten in Bayern ‘grottenschlecht ‘ ab.
Bodenschutz ist wichtig, jegliche weitere Versiegelung und Verdichtung schlecht für Regensburg. und seine nachfolgenden Generationen.
Auch 2500 qm Grünfläche spielen eine Rolle, wie es für Regensburg künftig aussehen wird.
Unversiegelter, unverdichteter Boden ist wichtig für die Aufnahme von Regen und damit für das Grundwasser, ist Lebensraum für Kleinstlebewesen und damit für uns Menschen von äußerster Bedeutung. Ohne diese Grundlagen sieht es für uns Menschen künftig böse aus.
Auch Spieplätze sind Verdichtung, jegliche Nutzung durch KFZ (Camping) zerstört. Versiegelung gleich schlimm (Flüchtlingsunterkunft, Dunnerkeil, Schule).
Es mag Am Weinberg noch grün mit Bäumen aussehen, aber der Eindruck täuscht. Auch die Donau im Norden trügerische Idylle.
Es sind wieder nur ein paar qm, die wir der Natur zu unserem Vergnügen abtrotzen, aber vielleicht denken Sie bei der nächsten Wasserverknappung und Hitzewelle in Regensburg an mich, während Sie den Tennisspielern Am Weinberg zusehen, wenn diese denn bei sengender Hitze auf weiß blauem Boden Tennis spielen.
Jakob Friedl
| #
Wie sich im Umweltausschuss herausstellte, ist nicht nur der Stadtverwaltung die städtebauliche Qualität im Landschaftsschutzgebiet und das Klimatop egal.
Es wäre konsequent, kostengünstig und würde mit einfachen Mitteln zu mehr Qualität führen, wenn als Ausgleichsmaßnahme für die versiegelte Hitzefläche der drei Tennisplätze z. B. der benachbarte Parkplatz oder der Parkplatz vor der Tennishalle bepflanzt und begrünt würde. So könnte für ein angenehmeres Klima gesorgt werden, auch beim Tennisspielen. Zudem könnte so beispielhaft ein Weg zur ästhetischen Aufwertung und zur Heilung des baulichen Wildwuchses im Landschaftsschutzgebiet aufgezeigt werden. Der Verein bekäme einen begrünten Zugang als Aushängeschild.
Für die Entsiegelung und Übergrünung, z. B. von Parkplätzen, hat die Stadt ein Förderprogramm aufgelegt, auf das sie stolz verweist. Würde die Stadt anstreben eine Parkplatzbegrünung als Bestandteil der Ausgleichsmaßnahme im Landschaftsschutzgebiet einzufordern, wäre diese als Teil der Baumaßnahme wohl auch über die Sportfördermittel des Freistaats und der Stadt zu einem hohen Anteil förderfähig. Der Verein könnte sich zudem bei bei der Umsetzung beteiligen und profilieren.
Leider sind die Verantwortlichen hier nicht in der Lage die Baumaßnahme im Kontext eines zusammenhängenden Gebiets zu verstehen und auszugleichen. Wäre der Bau der drei heißen Tennisplätze im Gestaltungsbeirat und nicht im Umweltausschuss behandelt worden, dann hätte es mehr konstruktive Tipps für mehr Klimaqualität gegeben und das Bauvorhaben hätte entsprechend qualitativ überarbeitet wieder vorgelegt werden müssen.
Die leidige Pflicht Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll umzusetzen, wird leider wie so oft nur so reduziert wie irgend möglich realisiert und auch im Umweltausschuss leider nicht als Chance für mehr Qualität verstanden. Anregungen werden als abwegig bei Seite geschoben.
P.S.: Angesichts dieser Borniertheit erscheint es mir besonders absurd, dass 200TSD € für die Etablierung der Regensburger Dachmarke des Green Deal „Regensburg Offen für“ ausgegeben werden. Ich hoffe, wir werden auch offen(er). Der Green Deal ist bereits eine einfach erkennbare und gut unterfütterte Dachmarke. Die Webseite des Regensburger Green Deals ist schon jetzt vollkommen ohne Zutun der ingolstädter Agentur sehr informativ und übersichtlich. Das neue Design hingegen überflüssig. Nun müssen also noch die mittelmäßigen Sprüche der Agentur und die Hintergründe für „Regensburg Offen für“ eingefügt werden. Ich empfehle, dass die Stadt Regensburg, wenn sie es schon nicht lassen kann für viel Geld mittelmäßige Kampagnen zu bestellen, analog zu Kunst am Bau über Kunst an der Agentur nachdenkt.