Entlarvender Streit um Brücken und Stege
Über den Grieser Steg geht, fährt und radelt mancher. Die von Schaidinger ins Spiel gebrachte Ersatzvariante hat einen entlarvenden Streit in der Koalition entfacht. Foto: Archiv
Schaidinger: Grieser Steg ersetzen
Am Anfang stand – wie bei Flussquerungen allgemein üblich – das Wasser, genauer gesagt: das Hochwasser. Kurz nachdem jenes sich verzogen hatte, vermeldete Oberbürgermeister Hans Schaidinger via Mittelbayerische Zeitung, dass der Grieser Steg nicht tauglich für ein hundertjährliches Hochwasser sei und über kurz oder lang ersetzt werden müsse.Während des Hochwassers musste der Grieser Steg kurzzeitig gesperrt werden. Foto: Archiv/ as
Freudenstein: „Ich bin gegen eine Brücke und gegen einen Steg!“
Das sorgte für Unruhe am Gries und das rief denn auch – einen knappen Monat später – Schaidingers Parteifreundin, Stadträtin Dr. Astrid Freudenstein auf den Plan. Die ist Anwohnerin am Oberen Wöhrd und in dieser Eigenschaft – ganz im Gegensatz zu ihrer CSU-Fraktion im Speziellen und der großen Koalition im Allgemeinen – gegen jedwede Busbrücke – sei es nun die Osttrasse über den Grieser Spitz oder die derzeit favorisierte Westtrasse zum Schopperplatz.Astrid Freudenstein (CSU): Privat schon immer gegen eine Brücke. Foto: Archiv
Hartl: Wir waren schon immer gegen eine Brücke, für einen Steg und die Freudenstein ist doof!
Diese Lücke rief nun SPD-Fraktionschef Norbert Hartl auf den Plan, allgemein bekannt als Kenner jedweder Stadtratsvorlage – und liege sie auch noch so viele Jahre zurück. Und so erinnerte er Freudenstein daran, dass sie selbst an dem einstimmigen Stadtratsbeschluss vor gut einem Jahr beteiligt war, bei dem ein Fahrradsteg über den Grieser Steg bis nach Weichs ausdrücklich beschlossen wurde. „Offenbar kann sich das CSU-Stadtratsmitglied Freudenstein an nichts mehr erinnern, was erst vor kurzer Zeit war“, meint Hartl da süffisant. Und – offenbar selbst von Erinnerungslücken geplagt – erklärt der SPD-Fraktionschef: „Die SPD lehnt eine Osttrasse für Busse durch die Grünflächen vom Grieser Spitz bis zur Kanalbrücke (…) immer schon ab.“Schlegl: Ich war schon immer gegen eine Brücke, für einen Steg und die SPD ist doof.
Dies wiederum ließ auch CSU-Fraktionschef Christian Schlegl eine Pressemitteilung schreiben. Es sei die SPD gewesen, die hier Brücke und Fahrradsteg durcheinander werfe, wohl in der Hoffnung, „die CSU auszuspielen“. Doch dieser Versuch gehe völlig ins Leere, weil nämlich die CSU – offenbar also auch Freudenstein – ja absolut für diesen Fahrradsteg sei. Und außerdem brauche die SPD beim Thema Osttrasse – nicht ein Steg, sondern eine Brücke – gar nicht so blöd daherreden, weil die ja schon oft genug die Meinung gewechselt habe und mal für, mal gegen solche Brücke gewesen sei. Gemeinerweise hat Schlegl dazu noch eine alte Postkarte gefunden, in der dem OB-Kandidaten der SPD, Joachim Wolbergs, ein gebrochenes Wahlversprechen unter die Nase gerieben wurde, nämlich, dass es mit ihm „eine Grieser Brücke unter gar keinen Umständen geben“ werde.Postkarte von Stadtrat Hubert Lankes aka “Kulturreverrat Regensburg”, von Christian Schlegl ohne Quellenverweis als “satirische Postkarte” an die Medien verschickt.
Freudenstein: „Ich war noch nie gegen den einen Fahrradsteg, aber gegen den anderen Fahrradsteg“
Schlegls Parteifreundin Freudenstein, die ja „weder Busbrücken noch Fahrradstege“ über den Grieser Spitz haben will, erklärte kurz darauf gegenüber der MZ, dass sie noch nie und gar nie nicht gegen einen Fahrradsteg über den Grieser Spitz nach Weichs gewesen sei. „Auf den warten wir ja.“ Allerdings scheint sie Oberbürgermeister Hans Schaidinger – was planerische Perversionen anbelangt – Einiges zuzutrauen. Sie wende sich – aufgepasst – gegen einen zusätzlichen Fahrradsteg anstelle des Grieser Stegs über den Grieser Spitz nach Weichs, der dann – folgt man Freudensteins Befürchtung – unmittelbar neben dem „völlig unbestrittenem“ und dem gleichen Zweck dienendem Fahrradsteg über den Grieser Spitz bis nach Weichs verlaufen könnte.Norbert Hartl: „Koalitionsräson“
Norbert Hartl bescheinigte Freudenstein – in einer weiteren Pressemitteilung – daraufhin „olympiareife Leistungen im Zurückrudern“, nur um selbst ebenfalls mit beachtlicher Geschwindigkeit zu rudern und zu erklären, dass die SPD, die ja schon immer gegen eine Brücke über den Gries gewesen sei, nach der Wahl nur „aus Koalitionsräson“ weiteren Planungen für eine Brücke über den Gries zugestimmt habe.Zusammen keine Streitentzugserscheinungen: Norbert Hartl und Christian Schlegl.